Elaine ohne Kind

Über den Abschied vom Kinderwunsch und das Leben danach

Sunday

31

December 2017

Dezember-Rückblick

von Elaine, über Abschied vom Kinderwunsch, Hoffnung, Heilsam

Dezember-Rückblick

Wie war er so, Euer Dezember? Schön? Schwierig?

Meinen erlebte ich emotional sehr positiv, wenn auch gesundheitlich etwas weniger. Aber dazu komme ich noch ;-)...

Es fühlte sich anders an, in die Adventszeit zu gehen als noch vor einem Jahr oder zwei. Tatsächlich kann ich diese besondere Zeit wieder geniessen. Und da war sogar Vorfreude auf die Feiertage selbst. Gleichzeitig versuche ich immer noch ein wenig, mich selbst zu schützen: den Dezember nicht zu überfrachten, die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr möglichst freizuhalten.

In diesem Advent gab es zwei wehmütig-traurige Momente. Wobei Wehmut es eindeutig besser trifft als Trauer! Einer war, als ich beobachtete, wie eine ältere Dame zusammen mit ihrem Enkel einen Christbaum aussuchte. Was für ein schönes Bild! Es rührte mich: ich lächelte und gleichzeitig kamen mir die Tränen. Weil mir sehr bewusst war, dass ich dies niemals mit meinen eigenen Enkeln tun werde. Andererseits kam mir auch sofort der Gedanke: wenn ich es unbedingt will, dann habe ich durchaus Möglichkeiten, mir ein Kind für solche Gelegenheiten zu leihen. Es war ein kurzer emotionaler Moment, der mir nicht länger nachging.

An einem anderen Tag traf ein liebevoll zusammengestelltes Paket von einer Freundin ein mit allerlei kleinen Geschenken, auch selbstgemachten ihrer Tochter: einem Bügelperlenherz, einer Zeichnung. Im Gegensatz zu früher muss ich diese Dinge inzwischen nicht mehr verstecken. Ich stelle sie gerne sichtbar zur Schau. Und das ist für mich eine grosse Sache. Weil das früher anders war. Da hätte der Blick auf diese Kindergeschenke vor allem geschmerzt. Allerdings kam mir diesmal auch der Gedanke, dass ich nie meine Wohnung mit dem Selbstgebastelten meiner eigenen Kinder schmücken werde. Und das machte mich einen kurzen Moment lang doch etwas traurig. Oder eben vielleicht eher wehmütig. Ich setzte mich hin und dachte nach.

Ich merkte, dass es vielleicht an der Zeit ist, die Kinder anderer vermehrt in mein Leben mit einzubeziehen. Ich weiss, dass sich meine Schwester oder die Mütter meiner Patenkinder darüber nur freuen würden. Bisher hatten sie Rücksicht darauf genommen, dass es für mich zu schmerzhaft gewesen war. Das ist jetzt anders. Ich wünsche mir tatsächlich mehr Kinderpräsenz in meinem Leben. Und ich denke, ich bin inzwischen emotional in der Lage, die Kinder anderer tatsächlich geniessen zu können.

Das sind die beiden Themen im Zusammenhang mit dem Kinderlos-Sein, die bei mir in diesem Advent hochkamen. Aber wie gesagt: länger als eine halbe Stunde beschäftigten sie mich beide Male nicht. Und es fühlte sich in der Tat mehr wie Wehmut als wie die Trauer von früher an, was ein ganzes Stück angenehmer ist.

Weihnachten selbst? Nun ja, ich hatte mich auf die Familienfeiern gefreut. Darauf, meine Geschwister und die Nichten und Neffen zu sehen. Was schon ein Glück für sich ist! Aber dann wurden wir krank. Ich nahm nicht an einer einzigen Weihnachtsfeier teil. Und wisst Ihr was? Es ging mir gut. Emotional gesehen. Jedenfalls, nachdem mein Magen aufgehört hatte, sofort alles wieder zu retournieren, was ihm zugeführt worden war ;-). Ich sass auf dem Sofa, zündete Kerzen an und hörte Weihnachtsmusik. Und war tatsächlich: dankbar. Bei aller körperlichen Schwäche. Für dieses Jahr, für meinen Mann, für unsere gemütliche Wohnung. Wie anders wäre das noch vor zwei Jahren gewesen!

Für mich sind das Welten. Weihnachten scheint ein guter Gradmesser für meine Entwicklung durch den Abschied vom Kinderwunsch hindurch bis heute. Zuerst ging es mir äusserst bescheiden. Dann etwas besser. Und jetzt so richtig gut. Es ist also möglich, Weihnachten wieder geniessen zu können, trotz allem. Nur so für den Fall, dass manche von Euch da so ihre Fragen haben ;-)...

Nun hoffe ich, dass ich für die Feier heute Abend fit genug bin. Bis jetzt übe ich mich noch in Geduld... einen so hartnäckigen Virus hatte ich schon länger nicht mehr. Aber hatte ich mich nicht in den letzten turbulenten Wochen nach Ruhe gesehnt? Hmm...

Ich wünsche Euch einen guten Jahresausklang und einen beschwingten Rutsch in ein gesundes neues Jahr!

Herzlich,
Eure Elaine

Nachtrag: In den letzten Tagen erschien ein Artikel im Tagesanzeiger, den ich lesenswert finde: Emma aus dem Eis.

Foto: Elaine

Elaine

lebt in der Schweiz. Sie liebt die Natur, besonders im Frühling. Sie mag Spaziergänge, Wanderungen, die Berge, das Meer, Bücher, Kunst, Flohmärkte, Brockenhäuser.

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