Elaine ohne Kind

Über den Abschied vom Kinderwunsch und das Leben danach

Tuesday

24

May 2016

Was gut tut

von Elaine, über Gesellschaft, ungewollte Kinderlosigkeit, Trost, Heilsam

Was gut tut

Viele wissen nicht, wie sie mit meiner Kinderlosigkeit umgehen sollen. Sie sind überfordert oder reagieren auf eine Weise, die mich vor allem verletzt. Aber es gibt auch Menschen, die mit einer besonderen Gabe gesegnet sind. Hier möchte ich von zwei Erlebnissen mit solchen Menschen berichten, die mir sehr gut getan haben:

Kürzlich fragte mich eine Bekannte, die Mutter geworden war, ob sie mir die Geburtsanzeige schicken sollte oder lieber nicht? Ich war gerührt, denn niemand hatte mich dies zuvor gefragt! Ich bin es mich gewohnt, mit Geburtsanzeigen bombardiert zu werden, ungefragt! Als dann die Post von dieser Frau eintraf, sah ich, dass sie zwei Umschläge verwendet hatte. Wie aufmerksam! Im äusseren Umschlag befand sich eine hübsche Grusskarte mit ein paar netten Zeilen. Daneben ein kleiner Umschlag, beschriftet mit „Geburtsanzeige“.

Von einer anderen Frau erhielt ich eine schöne Karte, nachdem wir uns über meine Kinderlosigkeit unterhalten hatten. Einfühlsam geschrieben und gleichzeitig ermutigend. Zu unserer Kinderlosigkeit. Wie man sonst Trauerkarten verschickt, nur etwas anders.

Was genau daran tat mir so gut? Es ist der Platz, der meiner Trauer dadurch in der Gesellschaft eingeräumt wurde. Weil meine Trauer sonst still zu sein hat. Es gibt keine Rituale, die passen. Es ist, als würde diese sehr reale Trauer, nämlich diejenige um ein ungelebtes Leben als Mutter, gar nicht existieren. Diese kleinen Aufmerksamkeiten geben ihr jedoch einen Platz und einen Namen. Ich selbst habe das längst für mich getan. Also das mit dem Platz und dem Namen. Das ist auch wichtig. Ich erlaube es mir ausdrücklich, traurig zu sein. Ich wehre mich nicht mehr dagegen, wenn eine Woge angeschwappt kommt. Und ich habe angefangen, darüber zu reden. Ich schäme mich nicht mehr. Das wäre der Teil mit dem Namen.

Da wir Menschen aber "Herdentiere" sind, ist jede Bestätigung von aussen, so klein und selten sie auch sein mag, Gold wert. Weil wir dadurch wieder das Gefühl bekommen, zur Gesellschaft dazuzugehören. Nicht ausgeschlossen zu sein. Oder jedenfalls nicht mehr so stark. Mir brachten diese beiden Gesten Trost. Und ein klein wenig Heilung.

Nun, da ich blogge, gibt es noch etwas Neues, das ebenfalls wohltuend ist: die Solidarität und Bestätigung durch andere kinderlose Frauen rund um den Globus. Klara hat auf ihrem Blog The Next 15000 Days sogar einen Artikel über "Elaine ohne Kind" verfasst und mich verlinkt. Vielen herzlichen Dank dafür, liebe Klara! Danke auch allen anderen wunderbaren Frauen, die hier bereits kommentiert haben, und zwar trotz Sprachbarrieren! Ihr macht mich glücklich.

Foto: Elaine

Elaine

lebt in der Schweiz. Sie liebt die Natur, besonders im Frühling. Sie mag Spaziergänge, Wanderungen, die Berge, das Meer, Bücher, Kunst, Flohmärkte, Brockenhäuser.

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