Elaine ohne Kind

Über den Abschied vom Kinderwunsch und das Leben danach

Sunday

04

March 2018

Kunst daraus machen

von Elaine, über Abschied vom Kinderwunsch, Trauer, Weisheit, Heilsam

Kunst daraus machen

Heute teile ich ein Zitat mit Euch, auf das ich vor längerer Zeit auf Silent Sorority gestossen war:

Take your broken heart and make it into art

Das Zitat stammt von Carrie Fisher, die Ihr vielleicht als Prinzessin Leia aus den Star-Wars-Filmen kennt. Auf Deutsch heisst das so viel wie: "Nimm dein gebrochenes Herz und mach Kunst daraus".

Anfangs konnte ich selbst, wenn ich ehrlich bin, mit diesem Satz nicht viel anfangen. Er klang schön, hatte aber mit mir irgendwie nichts zu tun. Es ist ja nicht so, als gäbe es irgend eine schnelle Lösung für ein gebrochenes Herz. Trotzdem, rückblickend entdecke ich ganz viel Wahrheit darin. Jedenfalls, wenn man Kunst im etwas weiteren Sinne betrachtet.

Ein unerfüllter Kinderwunsch bietet sehr viel Material zur Verarbeitung. Wie wir das verarbeiten, bleibt uns überlassen. Manche malen ihren Schmerz, andere schreiben ihn, wieder andere laufen ihn sich aus ihren Füssen heraus. Jede von uns hat ihre Art, mit dem Schwierigen im Leben umzugehen. Wichtig ist, dass wir diesen Schmerz nehmen und etwas mit ihm machen, denke ich. Weil dann etwas sehr Konstruktives daraus werden kann. Am Anfang sieht man das nicht. Da ist vor allem dieses schwere Gewicht, das uns niederdrückt. Die zugeschnürte Kehle. Und die Frage, wie wir denn nun weitermachen wollen mit unserem Leben, nachdem etwas so Wichtiges für uns unerreichbar geworden ist. Ein Stück weit geht es da tatsächlich ums Über-Leben, um die sehr grosse Frage nach dem Sinn, darum, einen neuen Lebensinhalt zu finden. Und ganz am Anfang sicherlich auch darum zu trauern. Weil es schwer ist. Punkt. In dem Ganzen merken aber vielleicht einige von uns, was ihnen besonders gut tut dabei. Ob es ihnen Erleichterung bringt, sich das Ganze von der Seele zu schreiben. Oder zu reden. Oder ob sie innerlich zur Ruhe kommen, indem sie mit ihren Händen etwas schaffen. Egal, was es ist. Manche nähen gern, andere stricken, wieder andere malen, fotografieren, sägen, dekorieren die Wohnung, knüpfen, tanzen, schweissen, pflanzen, spielen ein Instrument, töpfern, binden Kränze, kolorieren Malbücher für Erwachsene, schnitzen Stempel, komponieren ein Lied, zaubern Fünf-Gang-Menüs oder üben sich in Handlettering... die Möglichkeiten sind beinahe endlos.

Ein Kind auf die Welt zu bringen, ist vielleicht der ultimative Akt der Kreativität. Weil neues Leben entsteht dabei. Wenn man das nicht kann, ist ein tiefes Grundbedürfnis nicht abgedeckt. Einen direkten Ersatz dafür gibt es nicht. NICHT. Aber Kreativität kann helfen. Weil es Freude schenken kann, etwas aus den eigenen Händen entstehen zu sehen. Weil es hilft, in dem Moment ganz bei sich zu sein. Sich zu konzentrieren auf seine Hände oder Füsse. Ob man das nun Kunst nennen will oder nicht, ist eigentlich egal. Wichtig ist, was dieser Entstehungsprozess mit uns macht.

Gerade das, was für uns am heilsamsten sein kann, ist am Anfang oft am schwierigsten. Weil wir vielleicht innerlich derart erstarrt sind, dass es harzt. Weil der kreative Funke scheinbar erloschen ist. Weil vielleicht das Resultat unseres Schaffens am Anfang nicht unseren Vorstellungen entspricht. Das ist okay. Versucht es zu sehen als ein Schaffen um des Schaffens willen. Nicht unbedingt um des Endproduktes willen. Wenn Ihr merkt (oder von früher her wisst), dass Euch zum Beispiel das Stricken gut tut, dann ist es egal, ob der gestrickte Schal aus regelmässigen Maschen besteht oder einen unperfekten Charme ausstrahlt. Hauptsache ist, dass Ihr Zeit mit etwas verbracht hat, was Euch gut tut. Was Euch hilft, wieder mehr bei Euch selbst zu sein.

Noch etwas: Ich hatte anfangs damit zu kämpfen, dass mir angesichts dieser grossen Trauer alles sehr sinnlos vorkam. Kleine Dinge, über die ich mich normalerweise gefreut hätte, wie zum Beispiel eine Osterdeko zu Hause, schienen mir komplett bedeutungslos. Es war daher eine bewusste Entscheidung für mich, dass ich genau diese Dinge, von denen ich aus Erfahrung wusste, dass sie mir normalerweise gut tun, einfach tat. Ohne in dem Moment so viele schöne Gefühle dabei zu haben. Im Endeffekt tat es mir dann trotzdem gut. Womit wir beim Stichwort Selbstfürsorge wären, einem Thema, über das ich hier schon öfter geschrieben habe.

Nun bin ich gespannt auf Eure Meinung: Tut Euch Kreativität gut?
Und wenn nicht: WAS tut Euch gut?

Foto: Elaine

Elaine

lebt in der Schweiz. Sie liebt die Natur, besonders im Frühling. Sie mag Spaziergänge, Wanderungen, die Berge, das Meer, Bücher, Kunst, Flohmärkte, Brockenhäuser.

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