Elaine ohne Kind

Über den Abschied vom Kinderwunsch und das Leben danach

Donnerstag

29

Januar 2026

Gelebtes und Ungelebtes

von Elaine, über Ungewollte Kinderlosigkeit, Leben, Atelier, Bloggen

Vor 27 Jahren folgte ich dem, was ich mochte, aber auch der Vernunft. Ich erlernte einen spezifischen Beruf, weil ich dachte, damit wäre meine Zukunft gesichert. Da es nach meinem Abschluss jedoch keine freien Stellen gab, arbeitete ich nie auf meinem angestammten Beruf. Zum Glück konnte ich mich relativ bald damit versöhnen. Interessanterweise hörte ich über die Jahre in Smalltalk-Situationen immer wieder: “Diese Ausbildung hätte ich auch gerne gemacht”. Ein alternatives Leben, das bei diesen Menschen nie stattgefunden hatte.

Ein ungelebtes Leben gibt es bei mir und vielen von Euch ebenfalls. Ich trauerte tief um mein ungelebtes Leben als Mutter. Mittlerweile ist es (meistens) okay.

Dafür gibt es andere Dinge, die ich verwirklichen konnte. Mit zwanzig ging ich nicht an die Kunstgewerbeschule, aus Vernunftgründen. Dies holte ich zumindest teilweise mit knapp vierzig noch nach. Ich sage teilweise, weil ich mit Ausnahme meines Sabbaticals immer berufstätig geblieben bin. Ich habe nie alles auf eine Karte gesetzt. Ich bin nur stetig die kleinen Schritte gegangen, die mir möglich waren. Meine Teilzeit-Ateliertätigkeit ist seit Jahren fixer Bestandteil meiner Woche. Ich durfte zudem wunderbare kreative Menschen kennenlernen, mit denen ich mich austauschen kann.

Aber das Leben wäre nicht das Leben, wenn es keine Veränderungen mit sich bringen würde. Mir ist in letzter Zeit die Freude abhanden gekommen. Es “funktioniert” noch, ich gehe ins Atelier, nicht mehr ganz so häufig, aber ich kann den Stift oder Pinsel in die Hand nehmen und für ein paar Stunden versinken. Und das hat etwas Tröstliches.

Ein Kribbeln im Bauch verspüre ich jedoch gerade anderweitig. Ich entdecke die Lust am Schreiben wieder. Vor zehn Jahren, als ich diesen Blog hier aufsetzte, schrieb ich wie wild, verfasste Blogeinträge auf Vorrat. Ihr könnt dies im Archiv nachvollziehen. Das Schreiben als Werkzeug in meinem Selbstfürsorgekoffer – dafür bin ich bis heute dankbar. Die Wunde durfte heilen, die Texte wurden weniger.

Nun schreibe ich wieder mehr. Vor allem auf Papier. Wann immer es geht, nehme ich mein Notizbuch und schreibe meine Morgenseiten. Meine Hand tut beim Schreiben jedenfalls schon nicht mehr weh ;-). Und ich habe, wenn ich mit dem Zug unterwegs bin, am liebsten ein Buch dabei, weil ich weniger Zeit am Handy verbringen will.

Wie geht es Euch?
Womit beschäftigt Ihr Euch gerade?

Foto: Elaine

Elaine

lebt in der Schweiz. Sie liebt die Natur, besonders im Frühling. Sie mag Spaziergänge, Wanderungen, die Berge, das Meer, Bücher, Kunst, Flohmärkte, Brockenhäuser.

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