Elaine ohne Kind

Über den Abschied vom Kinderwunsch und das Leben danach

Donnerstag

4

Oktober 2018

Unsere Tage

von Elaine, über Leben, Ungewollte Kinderlosigkeit, Weisheit

Hallo Herbst, da bist du ja! Mit goldenen Sonnentagen, aber auch mit ordentlichem Wind, etwas Regen und wesentlich kühleren Temperaturen. Ich freue mich! Auf würzigen Chai, warme Suppen, aufs Durchs-Laub-Rascheln, Kerzenlicht und Lesestunden auf dem Sofa.

Für mich ist ein solcher Jahreszeitenwechsel immer Gelegenheit, beim Umsortieren des Kleiderschrankes ein paar Dinge loszuwerden. Das tut gut! Welch eine Erleichterung, den Pulli, in dem man sich nie so richtig wohlgefühlt hat, in die Kleidersammlung zu geben! Genau das könnte man doch auch mit anderen Dingen im Leben tun. Mit Gewohnheiten, die einem nicht wirklich gut tun. Mit Freundschaften, die vielleicht keine (mehr) sind. Hier kommt passend dazu ein Spruch, der mich kürzlich angesprochen hat:

How we spend our days is, of course, how we spend our lives.

Annie Dillard

Auf Deutsch: “Wie wir unsere Tage verbringen ist, natürlich, wie wir unser Leben verbringen.”

Gefunden habe ich den Spruch hier. Vielleicht ist es einfacher, darüber nachzudenken, wie ich einen einzelnen Tag gestalten möchte. Wie ich heute gestalte. Und morgen. Als daran zu denken, dass der Rest meines Lebens noch vor mir liegt und gefüllt werden will. Denn das kann ganz schön Druck machen, nicht? Weil wir vielleicht denken, dass unser Leben besonders sinnvoll sein muss. Da wir nun schon keine Kinder haben, keine kriegen.

Kürzlich habe ich diesen Podcast (auf Englisch) gegen Zeitmanagement gehört. Und habe dabei gelernt, dass wir heute nicht weniger Zeit haben als die Menschen früher. Obwohl uns doch scheint, die Welt drehe sich schneller, als seien wir soviel gestresster. Vielleicht hat es nicht wirklich mit der Anzahl Stunden zu tun, über die wir frei verfügen können. Sondern mit der grossen Auswahl an Dingen, die wir mit unserer Zeit anfangen können. Und vielleicht auch mit der falschen Vorstellung, je effizienter wir seien, desto besser könnten wir mit allem Schritt halten.

Wie wäre es, all die Dinge, die so laut sind, dass wir kaum zur Ruhe kommen, einfach mal zu ignorieren? Nein zu ihnen zu sagen - zu allem, was uns von aussen und vor allem online lockt und die Zeit vergehen lässt, ohne dass wir uns dadurch gut oder produktiv fühlen? Und dann ganz bewusst zu entscheiden, was wir jetzt tun möchten? Von innen heraus? Vielleicht ist es ja nur etwas ganz Kleines, wie einen Moment am Fenster zu stehen und hinauszuschauen. Oder vielleicht ist es ein Spaziergang. Mal wieder ein handgeschriebener Brief. Oder eine Karte. Vielleicht ist es, mich mal wieder telefonisch bei einer Freundin zu melden, obwohl ich kaum mehr telefoniere.

Wie wir unsere Tage gestalten, ist, wie wir unser Leben gestalten. Kleine Dinge machen einen Unterschied. Und es bringt so viel mehr, sich kleine gute Gewohnheiten anzueigenen als viele gute Vorsätze zu fassen.

Oder was meint Ihr?

Foto: Elaine

Elaine

lebt in der Schweiz. Sie liebt die Natur, besonders im Frühling. Sie mag Spaziergänge, Wanderungen, die Berge, das Meer, Bücher, Kunst, Flohmärkte, Brockenhäuser.

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