Elaine ohne Kind

Über den Abschied vom Kinderwunsch und das Leben danach

Mittwoch

19

April 2017

Unsichtbar

von Elaine, über Ungewollte Kinderlosigkeit, Gesellschaft

Habt Ihr Euch auch schon unsichtbar gefühlt?

Mir ging es kürzlich so. Wir waren zu einem Geburtstagsfest eingeladen. Zum Glück hatten mein Mann und ich vereinbart, dass wir nicht allzu lange bleiben würden - als ob wir geahnt hätten, was kommt.

Es war ein warmer und sonniger Tag, so dass wir draussen sitzen konnten. Unter den Gästen befanden sich zu 99 Prozent Familien mit Kindern, mit wenigen Ausnahmen: meinem Mann, mir und zwei Single-Frauen. Die Rahmenbedingungen waren ideal: die Kinder konnten frei herumrennen, wie es ihnen gefiel, und die Eltern genossen es, ruhig am Tisch sitzen und mit anderen Erwachsenen reden zu können.

Mit anwesend war auch eine Familie mit einem Neugeborenen. Die Mutter dieses Babys hatte ich einige Jahre nicht mehr gesehen, und so standen wir in einer Ecke und schwatzten ein wenig, während das Baby im Kinderwagen schlief. Soweit so gut. Bald kam jedoch eine andere Frau zu uns gelaufen und begrüsste die junge Mutter neben mir innig. Sofort begannen sie darüber zu reden, wie schwer das Baby gewesen war und wie anstrengend die Geburt.

Es geht mir in letzter Zeit eigentlich gut bis sogar sehr gut. Aber das war wieder mal so eine Situation, in der ich am liebsten auf und ab gehüpft wäre und mit den Armen winkend gerufen hätte: Hey, ich bin auch noch da! Vor allem, da die Frau, die dazugestossen war, ausreichend über meine Situation informiert ist. Mir blieb am Ende nichts anderes übrig, als mich von den beiden zu entfernen und mich anderen Menschen zuzuwenden. Im Moment verdrängte ich es, aber später merkte ich, dass mich das geärgert hatte. Erstens ist es unhöflich, jemanden im Gespräch zu unterbrechen und zweitens mehr als taktlos, in Gegenwart einer Kinderlosen gleich mit Geburt und Babygewicht anzufangen. Ich meine, klar: ich hatte der jungen Mutter auch zu ihrem Kind gratuliert. Aber dann drehte sich unser Gespräch bald um ganz andere Dinge - wir hatten schliesslich ein paar Jahre aufzuholen. Bei der anderen Frau gab es nur das als Gesprächsthema, und zwar nahtlos ab der Begrüssung. Warum scheint es gesellschaftlich akzeptabel zu sein, so gar keinen Gedanken daran zu verschwenden, was das mit der unmittelbar daneben stehenden Frau macht, die nie eine Geburt erlebt hat, obwohl sie sich dies sehr gewünscht hätte?

Wie vereinbart blieben mein Mann und ich nicht lange. Was gut war. Mein gewohntes, kleines Leben ging danach weiter. Das Wetter blieb gut, und wir hatten für die folgenden Ferientage schöne Pläne. Aber noch Tage später rumorte es in mir, wenn ich an diese kurze Episode dachte. Irgendwie fühlte ich mich übergangen. Nicht wahrgenommen.

Ist Euch so etwas auch schon passiert?

Foto: Elaine

Elaine

lebt in der Schweiz. Sie liebt die Natur, besonders im Frühling. Sie mag Spaziergänge, Wanderungen, die Berge, das Meer, Bücher, Kunst, Flohmärkte, Brockenhäuser.

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