Worte finden
von Elaine, über Bloggen, Heilsam, Leben

Gestern wurde dieser Blog zehn Jahre alt. ZEHN Jahre. Wie unglaublich ist das denn?
Ich bin so dankbar für diesen Ort hier. Für EUCH, für Eure Kommentare, für die Solidarität der wunderbaren internationalen Blogger-Community, für jeden Aha-Moment und die gegenseitige Inspiration. Auch für den Trost und das Nicht-Ganz-So-Alleine-Sein – für mich vor allem zu Beginn enorm wichtig.
Auf diesem Blog ging es schon immer darum, Worte zu finden. Manchmal rang ich um jeden Buchstaben, löschte und schrieb und löschte wieder. Und manchmal flogen mir die Texte einfach zu. Das ist bis heute so geblieben, auch wenn das Thema Kinderlosigkeit mein Leben nicht mehr dominiert. Es ist nun ein Thema von vielen. Zum Glück!
Nach Worten zu suchen bedeutet für mich zu verstehen, heisst vom Innen ins Aussen bringen. Die Dinge geschehen mir nicht nur, ich eigne sie mir an. Insofern ist das Schreiben eine Art Selbstermächtigung.
Mein Leben – wie ist es, zehn Jahre später?
Und wie ist Eures im Moment?
Ich rapple mich auf nach einem Winterende und Frühling, die von Anämie geprägt waren, von der damit einhergehenden Erschöpfung, dem Schwindel, der Vergesslichkeit, Antriebslosigkeit, der fehlenden Freude am Atelier, der Gleichgültigkeit gegenüber dem mir sonst so lieben Frühling. Ich werde die Gynäkologin wechseln, weil sie mich damit allein gelassen hat und bin dankbar für das Handeln meiner Hausärztin. Die Kräfte nehmen wieder zu. Ich schleppe mich nicht mehr wie eine leere Hülle durch die Welt, sondern mag wieder meine Mutter anrufen und kann nach dem Abendessen sogar eine Runde draussen drehen.
Eine alte Freundin und ich haben nach drei Jahren Pause, beschränkt auf Textnachrichten, sehr seltene Telefonate und Geschenke meinerseits zu Weihnachten und zum Geburtstag, wieder den Faden aufgenommen. Ich sehe, dass Kinder-Haben allein nicht glücklich macht, dass unter einer Scheidung alle Beteiligten, insbesondere die Kinder, enorm leiden, dass man als Frau auch heute noch benachteiligt wird, selbst mit guter Ausbildung. Ich sehe, dass niemand vor Schicksalsschlägen gefeit ist, dass wir alle älter werden und uns irgendwann in unserem Leben selbst retten müssen. Ich habe etwas Vorsprung, wie mir scheint – diese Lektion wurde mir früher erteilt als meiner Freundin.
Überhaupt treffe ich mich wieder mit lieben Menschen, fange wieder an zu lesen, nachdem dafür eine Weile lang die Kraft und Konzentration fehlte: “Ghost Stories” von Siri Hustvedt mochte ich sehr. Auch den Dokumentarfilm über sie (Triggerwarnung: im Trailer ist ein Baby zu sehen). Grosse Pläne zu schmieden wage ich noch nicht, aber vielleicht kommt das noch?
Foto: Elaine
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