Elaine ohne Kind

Über den Abschied vom Kinderwunsch und das Leben danach

Freitag

10

Juni 2022

Darüber hinweg?

von Elaine, über Ungewollte Kinderlosigkeit, Abschied vom Kinderwunsch, Gesellschaft, Trauer

Lilly schrieb kürzlich einen ganz tollen Text über die Erwartungen aus ihrem Umfeld, sie sollte über die ungewollte Kinderlosigkeit hinweg sein. Der Artikel ist unbedingt lesenswert! Er ist zwar auf Englisch verfasst, aber wenn Ihr ihn in einen Online-Übersetzer wie zum Beispiel Deepl kopiert, erhaltet Ihr eine sehr gute deutsche Version davon.

Mir gefiel vor allem die Analogie zwischen der Tatsache, dass Eltern von lebenden Kindern das für die meisten sehr nachvollziehbare Bedürfnis haben, über diese zu sprechen und unserer Wirklichkeit, in der die Abwesenheit dieser Kinder ähnlich dominant ist und wir demzufolge auch ein grosses Bedürfnis haben können, über genau dies zu sprechen.

Einleuchtend, nicht? Dumm nur, dass unserem Bedürfnis in der heutigen Gesellschaft kaum Rechnung getragen wird. Mit uns passiert das, was mit vielen Trauernden geschieht: Für eine gewisse Zeit gesteht man uns zu, dass es uns nicht gut geht. Aber dann sollen wir gefälligst darüber hinweg sein und uns konform zu sämtlichen sozialen Gepflogenheiten verhalten! Da es sich in unserem Fall um einen sogenannten uneindeutigen Verlust handelt (oft gibt es ja keine Beerdigungen, Blumen und Beileidsschreiben), ist es wohl sogar noch schwieriger. Je nachdem fehlen Anerkennung und Unterstützung gänzlich.

Tatsächlich mache ich seit zwei bis drei Jahren die wenigen Momente der Trauer oder Wehmut über unsere Kinderlosigkeit mit mir selbst und meinem Mann aus. Ich schreibe vielleicht hier auf dem Blog darüber, aber das war’s dann. Ich musste die Erfahrung machen, dass auch liebe Menschen damit nicht umgehen können. Anstatt diesen Verlust und die beständige Abwesenheit dieser Kinder anzuerkennen, wollen sie eine Lösung finden. Zum Beispiel mir einen Heilpraktiker empfehlen, der mir mit über vierzig noch zu einer Schwangerschaft verhelfen soll, nachdem ich ja schon mit dreissig nicht schwanger geworden war, oder aber sie machen meine Trauer klein. Auf all das kann ich definitiv verzichten! Es kostet mich weniger Kraft, wenn ich das nicht mehr mit Menschen ausserhalb meiner Erlebniswelt teile. Zum Glück geht es mir ja heute meistens gut. Punktuell ist es durchaus zu verkraften, wenn ich damit allein klarkommen muss. Schwieriger ist das natürlich in der akuten Trauerphase am Anfang!

Wie geht es Euch damit?

Foto: Elaine

Elaine

lebt in der Schweiz. Sie liebt die Natur, besonders im Frühling. Sie mag Spaziergänge, Wanderungen, die Berge, das Meer, Bücher, Kunst, Flohmärkte, Brockenhäuser.

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