Elaine ohne Kind

Über den Abschied vom Kinderwunsch und das Leben danach

Sonntag

18

Oktober 2026

Herbst

von Elaine, über Leben, Atelier, Frauen Ohne Kinder, Vorbilder

Der lang ersehnte Regen kommt am 1. Oktober. Als ich aus dem Haus und in die Dunkelheit des Morgens trete, legt sich der Herbst um meine Schultern wie eine Umarmung. Wenige Tage darauf koche ich die erste Kürbissuppe der Saison. Ich krame mein Wolljäckchen hervor und trage dünne Schals, wenn ich nach draussen gehe.

Auf Arbeit wird es ein klein wenig ruhiger. Ich kann das Chaos meines hochgewachsenen Papierturms beseitigen, Spesenrückerstattungsgesuche einreichen, mit Kontrollhaken versehene Listen zum Shredder-Container bringen. Endlich habe ich wieder etwas den Überblick und kümmere mich nicht nur um das Nächstdringliche.

Ich entdecke Tomoko Conway auf Instagram, eine ungewollt kinderlose Mingei-Künstlerin, die jeden Tag das kleine Glück im Alltäglichen sucht. Wir laden die Schwiegereltern ein und kochen für sie ein Abendessen. Ich mache mit einer Freundin einen Sonntagsausflug ins Val-de-Travers, wo wir im kleinen Môtiers das erstaunliche Australian Aboriginal Art Museum besuchen und mit vollen Herzen wieder nach Hause fahren. An einem anderen Wochenende reise ich mit einer ehemaligen Arbeitskollegin nach Burgdorf, um dort die grossformatigen, hyperrealistischen Bilder von Franz Gertsch zu sehen. Darunter sind auch vier, die er von einer damals noch jungen Patti Smith anfertigte. Seit der Lektüre von “Just Kids” bin ich ja ein bisschen Fan von ihr…

Die Salate auf der Parkbank werden abgelöst von einem Mittagessen in der Kantine. Und in unserer Künstlerinnenaustauschrunde stelle ich die grossen Fragen, die mich beschäftigen. Mit welcher Einstellung beginnen wir unsere Ateliertage? Der Gedanke, etwas produzieren zu müssen, was nach aussen gehen soll, sei es für Instagram oder auch im Hinblick auf eine Ausstellung, schreckt mich ab. Ist es in Ordnung, “nur” etwas für mich zu machen? Den Atelierraum zu halten in einem stark veränderten Umfeld und inmitten finanzieller Unsicherheiten, zehrt an meinen Kräften. Ich frage mich, ob es auch okay wäre, mir daheim ein Plätzchen einzurichten. Es wäre natürlich sehr viel kleiner, und gerade wüsste ich auch nicht wohin mit dem ganzen Material. Es sind keine leichten Fragen, aber stellen muss ich sie.

Schön ist, dass eine der Künstlerkolleginnen beschliesst, mir an einem Ateliertag Gesellschaft zu leisten und weitere Frauen zu fragen, ob sie dazustossen wollen. Rückendeckung an einem Mittwoch im November.

Zuerst aber haben mein Mann und ich (endlich) Ferien. In der Zwischenzeit waren einige Menschen im Umfeld bereits zweimal im Urlaub – einmal im Sommer und einmal im Herbst. Im Schweizerdeutschen gibt es das schöne Verb “plange”. So erging es mir; ich zählte die Tage.

Nun sind wir da, in den Bergen. Wir hoffen auf ein paar Wandertage. Bei Regen hätten mein Mann und ich jedoch auch noch einige ungelesene Bücher ;-).

Wie geht es Euch in diesem Oktober?

Foto: Elaine

Elaine

lebt in der Schweiz. Sie liebt die Natur, besonders im Frühling. Sie mag Spaziergänge, Wanderungen, die Berge, das Meer, Bücher, Kunst, Flohmärkte, Brockenhäuser.

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