Immer wieder
von Elaine, über Ungewollte Kinderlosigkeit, Atelier, Leben

Ihr Lieben,
wie es Euch wohl geht?
Geniesst Ihr den Sommer?
Bei mir passiert gerade nur das Nötigste. Weil mein Körper bei über 30 Grad irgendwie in den Überlebensmodus schaltet. Dankbar bin ich dafür, an den heissesten Tagen von daheim aus arbeiten zu dürfen. Mein Büro befindet sich unter dem Dach. Ebenfalls bin ich froh, dass wir in der schlimmsten Hitzephase im Juni ein paar Tage am See verbringen konnten. Da wäre mein Gehirn ohnehin nicht funktionstüchtig gewesen ;-).
Im Atelier mache ich wie jedes Jahr Sommerpause. Das gibt mir etwas Luft. Sobald ich über mehr Energie verfüge, werde ich unserem Daheim etwas Zeit widmen. Im Frühling läuft zu viel in meinem Job, zudem war ich dieses Jahr auch nicht fit. Also gibt es seit ein paar Jahren keinen Frühjahrsputz mehr bei uns, sondern sommerliche und herbstliche Zuwendung für unser Zuhause ;-).
Nach dem Abschied vom Kinderwunsch, der, wie Ihr wisst, mehrere Jahre in Anspruch nahm, habe ich seit einiger Zeit wieder die Gelegenheit, mich im Loslassen zu üben. Es ist keine allumfassende Trauer wie damals und doch zehrt es irgendwie, wohl weil es parallel in zwei Bereichen geschieht.
Da ist einmal unser Garten. Nach der “Vertreibung aus dem Paradies” vor drei Jahren, als die Trauerweide gefällt wurde und die Hälfte unseres damaligen Gartens als “Bereich für alle” deklariert wurde, setzten sich die Veränderungen fort. Früher umfing mich der Garten, wenn ich ihn betrat. Es war wie ein Eintauchen in eine andere Welt, eine Oase direkt hinter dem Haus. Heute zwinge ich mich öfter zur Gartenarbeit, als dass es mich zieht. Ich versuche mich trotzdem an dem zu erfreuen, was noch da ist, übe das Loslassen immer wieder. Man könnte es auch anhand der Grenzen beschreiben, die ich ganz anders ziehe als vor fünf Jahren. Der Blick aus dem Küchenfenster tat mir über Monate hinweg weh. Doch dieses Enttäuscht-Sein und Sich-Aufregen kann man nicht über Jahre beibehalten. Irgendwann geht man innerlich auf Distanz. Aus Selbstschutz. Und man setzt automatisch Grenzen. Der Rasen wurde mit Unkrautvertilger gespritzt und ist neuerdings ein Hundeklo? Dann grabe ich inskünftig daraus keine Disteln mehr aus. Die sind jetzt einfach da, wenn unsere Vermieterin sie selbst nicht entfernt. Ich versuche das Positive zu sehen: die Freiräume, die entstehen, weil ich weniger im Garten bin.
Der zweite Bereich ist mein Atelierumfeld, das sich in den letzten 1 1/2 Jahren stark verändert hat. Über längere Zeit kam mir die Freude daran ganz abhanden. Inzwischen blitzt sie punktuell wieder auf. Gleichzeitig meldet sich ein Sicherheitsbedürfnis bei mir – erste Freundinnen sprechen über Pensionierung und Altersvorsorge. Mein Mann und ich haben bei diesem Thema noch Luft nach oben. In der Tendenz möchte ich meine Anstellung etwas aufstocken und den Atelierteil meines Lebens verkleinern. Ich merke, dass mir die Motivation fehlt, in der Kunst etwas erreichen zu wollen. Ich müsste Vollgas geben können, um irgendeine Chance zu haben, aber aufgrund von Endometriose und chronischen Schlafproblemen fahre ich ja quasi mit angezogener Handbremse durchs Leben. Also muss ich versuchen eine Balance zu finden. Selbstfürsorge und Kreativität möchte ich beibehalten, finanzielle Sicherheit zählt aber auch.
Immer wieder ist es ein Loslassen dessen, was war, von Vorstellungen und Plänen. Immer wieder ein Anpassen, ein Mich-Versöhnen. Das Leben ist Veränderung, das weiss ich. Doch gerade bin ich dieser ständigen Anpassungen etwas müde.
Der Sommer ist für mich die schwierigste Jahreszeit aufgrund der Hitze und des Lärms, dem man als Daheimgebliebene kaum entgehen kann: 1. August-Geknalle, Festival-Basstöne, Zugbaustellen und brummende Motoren von Ersatzbussen direkt vor unserem Haus. Wenn es weiterhin so heiss und trocken bleibt, könnte es allerdings sein, dass für den Bundesfeiertag ein Feuerwerksverbot verhängt wird. Das Geknalle würde ich jedenfalls nicht vermissen :-).
Was sieht es bei Euch aus?
Gibt es auch Dinge, die Ihr gerade loslassen müsst?
Foto: Elaine
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