Elaine ohne Kind

Über den Abschied vom Kinderwunsch und das Leben danach

Dienstag

17

September 2019

Anninas Geschichte

von Elaine, über Abschied vom Kinderwunsch, Welt-Kinderlosenwoche, Frauen ohne Kinder

Heute darf ich anlässlich der Welt-Kinderlosenwoche bereits die zweite Eurer Geschichten veröffentlichen. Gerne stelle ich Euch Annina vor:


Mit 17 Jahren habe ich mit der Pille angefangen und nahm diese durchgehend über Jahre. Irgendwann bekam ich Unterleibsschmerzen und ging von Arzt zu Arzt. Niemand fand heraus, was los ist – daraufhin sagte man mir, als ich ca. 25 Jahre alt war, ich hätte wohl einen unterdrückten Kinderwunsch. Nach dieser „Diagnose“ mied ich die Ärzte und nahm die Schmerzen so hin. Diese wurden jedoch immer schlimmer, so dass ich jeweils fast in Ohnmacht fiel. Als ich dann mit einer Weiterbildung begann und kurz vor den Prüfungen heulend mit meiner Mutter telefonierte, da ich wieder unglaubliche Schmerzen hatte, sagte sie: Lass doch mal die Pille weg. Wer weiss… Also nahm ich ab Februar 2018 keine Pille mehr und die Schmerzen waren weg. Doch nicht nur die Pille, auch die Periode kam dazu nicht mehr. Ich machte mir keine Gedanken darüber. Erst 9 Monate später ging ich zum Arzt. Seine Reaktion fand ich schon etwas eigenartig, ich nahm damals nur das Wort Wechseljahre wahr, aber auch da machte es bei mir noch nicht klick. Er schickte mich zur Endokrinologie ans Unispital Zürich.

Ich kam da in einen kleinen dunklen Raum, wo die Ärztin mich empfing. Ihre ersten Sätze waren: Ach, Sie sind in den vorzeitigen Wechseljahren, aber schauen wir trotzdem mal noch nach. Dann folgte ein Ultraschall, in dem sie Eibläschen entdeckte, was der Gynäkologe vor einigen Monaten noch nicht gesehen hatte. Ihr Fazit dazu: Das sind nur noch Überreste, welche jetzt auch weggehen. Sie müssen eine Hormonersatztherapie machen bis Sie 60 Jahre alt sind und Kinder können Sie nur durch Eizellspende bekommen. Oooh traurig, sagte sie. Ich sass wie versteinert da. Die Ärztin sagte ebenfalls: Sie sind so gefasst, Sie wussten wohl schon, was Sie haben. Und dann fing ich an zu heulen.

Als ich dann anfing zu googeln, las ich dort natürlich schon mein Todesurteil. Osteoporose, Herzstillstand, Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs usw. Ich wollte diese Diagnose nicht wahrhaben und suchte eine Heilpraktikerin. Doch auch diese Therapie brachte mir meine Periode nicht zurück.

Komischerweise sagte ich gemäss einer alten Schulfreundin bereits in jungen Jahren: Auf diese Welt setze ich keine Kinder. Auch dachte und sagte ich ab und an wieder: Ich glaube, ich kann gar keine Kinder bekommen. Als hätte ich es schon immer gespürt. Ich hatte zum Glück nie den innigen Wunsch, Kinder zu bekommen und doch fiel ich plötzlich in ein Loch. Es beschäftigen mich Fragen wie: Werde ich im Alter alleine sein und alleine sterben? Das ist wohl die Sache, welche mich am meisten beschäftigt. Und plötzlich ist rund herum alles schwanger. Auch meine Schwester hat soeben eine süsse kleine Tochter bekommen, doch leider ist das Verhältnis zwischen meiner Schwester und mir nicht gut und das alles macht meine Situation nicht besser. Das Schlimmste für mich ist noch, dass sie ihre Tochter fast genau so nennt, wie ich schon seit 15 Jahren sage, wie meine Tochter einmal heissen soll.

In meinem Freundeskreis sind alle sehr verständnisvoll, ich kenne auch einige Frauen die sehr glücklich und zufrieden ohne Kinder sind! Jedoch ist das Thema bei meiner Familie noch nicht angekommen. Ich höre da immer wieder: Ach das kommt schon noch, irgendwann schlägt es schon ein. Irgendwann bekommst du auch ein Kind. Es würde mir jedoch viel mehr helfen, wenn sie mich fragen würden, wie es mir geht mit diesem schwierigen Thema und gerade jetzt, wo meine Schwester ein Kind bekommen hat. Ich muss lernen, einen gesunden Abstand zu halten, denn sonst zieht es mich immer weiter runter.

Ich hoffe dass ich die Dinge irgendwann so akzeptieren kann, wie sie nun mal sind, und sehen kann, welcher Weg für mich bestimmt ist.


Liebe Annina, vielen Dank dafür, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Mut für deinen Weg!

Sicher freut sich Annina über Eure Kommentare. Ausserdem hat sie mit ihrem eigenen Blog begonnen, den Ihr hier besuchen könnt: Dein eigener Weg

Foto: Elaine

Elaine

lebt in der Schweiz. Sie liebt die Natur, besonders im Frühling. Sie mag Spaziergänge, Wanderungen, die Berge, das Meer, Bücher, Kunst, Flohmärkte, Brockenhäuser.

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