Elaine ohne Kind

Über den Abschied vom Kinderwunsch und das Leben danach

Mittwoch

18

September 2019

Luisas Geschichte (Teil 1)

von Elaine, über Abschied vom Kinderwunsch, Welt-Kinderlosenwoche, Frauen ohne Kinder

Erneut darf ich anlässlich der Welt-Kinderlosenwoche eine Eurer Geschichten veröffentlichen. Heute meldet sich Luisa zu Wort. Da in ihrer Geschichte sehr viel drin steckt, veröffentliche ich sie in zwei Teilen - der zweite Teil folgt morgen Donnerstag.

Wenn der Kinderwunsch zu spät kommt

Lachend winken sie in die Kamera, zwei Frauen mit dicken Sonnenbrillen und langen blonden Haaren, die im Wind lustig um ihre Ohren flattern. Ein makellos blauer Himmel strahlt mit ihnen um die Wette, dahinter ein mit vorwiegend jungen Menschen, Familien, Kindern, Hunden, bunt bevölkerter Strand. Man könnte meinen, es sind Freundinnen, die hier gemeinsam ihren Urlaub verbringen. Oder auch Schwestern. Doch das hier sind meine beste Freundin *Anita und ihre Tochter *Lena, welche gerade 18 geworden ist und erfolgreich ihr Abitur abgeschlossen hat.

Ja, es stimmt mich wehmütig und auch ein bisschen neidisch, wenn ich dieses Bild auf WhatsApp betrachte. Ich werde nie mit meinem Kind verreisen können. Denn – ich bin keine Mutter.

Mein Name ist *Luisa, ich bin Ende 40, gelernte Bürokauffrau, ich lebe in Österreich. Ich habe es mir nicht ausgesucht, keine Kinder zu bekommen. Der Faktor, woran es bei mir scheiterte, war vor allem die Zeit.

Ich bin sicher, dass es noch andere Frauen gibt, die einen schwierigen Weg gegangen sind um erst später im Leben „anzukommen“, wo der Wunsch nach einer Familie warten musste. Weil lange der richtige Partner dazu gefehlt hat. Oder es andere Gründe dafür gab. Wo es dann, als die Bedingungen endlich passten, leider schon zu spät war für ein Kind. Speziell für diese Betroffenen habe ich meine Geschichte hier aufgeschrieben. Mir persönlich hilft es sehr, über mein Erlebtes und meine Gefühle zu sprechen. Vielleicht mag es auch für die eine oder andere ein Anstoß sein, sich zu ebenfalls öffnen.

Ich erzähle am besten von meiner frühen Jugend weg. Denn schon damals bekam ich oft genug zu hören: Verhütung habe oberste Priorität bei einer jungen Frau, die noch etwas aus ihrem Leben machen will. Meine Mutter hat mit 20 ein uneheliches Kind bekommen, meine Halbschwester, welche bei ihren Großeltern aufwuchs, weil Mutter eine Zeitlang nicht in der Lage war für sie zu sorgen. Ihr Leben wäre sehr viel anders verlaufen wenn sie ihre Kinder hätte „planen“ können, so hat meine Mutter es immer wieder betont. Eine verfrühte Schwangerschaft erschien mir da wie eine Gefahr, welcher es einen sicheren Riegel vorzuschieben galt. Am besten mit Pille und Kondom gleichzeitig. Mutters Ermahnungen „Pass bloß auf, dass du nicht schwanger wirst!“, hatten hier ganze Arbeit geleistet.

Meinen Vater hat sie nicht aus Liebe geheiratet. Doch war dieser bereit, ihr und dem Kind eine Familie zu geben. Aber meine Halbschwester wollte lieber bei den Eltern ihres Vaters bleiben. Wir sind getrennt aufgewachsen und es gibt auch heute kaum Kontakt zwischen uns beiden. Als Mutter mich bekam, war sie Ende 20, mein Vater Mitte 50. Sie war jung bei der Geburt ihrer Kinder, das erste wurde ihr vom Leben quasi aufgedrängt. Von ihr konnte ich nicht erfahren, was es bedeutet, sich über Jahre sehnlich ein Kind zu wünschen und dieses nicht zu bekommen.

Meiner Meinung nach wird hier immer noch viel zu wenig Aufklärungsarbeit betrieben. Junge Leute lernen heutzutage alles über Verhütung. Doch wie viele junge Menschen, die frisch von der Schule kommen, wissen, dass man im Zuge der Lebens- und Familienplanung auch die Zeit nicht übersehen darf? Wenn reife prominente Damen stolz ihre Wonneproppen vor der Kamera präsentieren, wird in den Medien kaum ein Wort darüber verloren, dass in vielen Fällen lange Prozeduren künstlicher Fruchtbarkeitsbehandlungen vorausgegangen sind. 40 bis 50jährige, die es sich leisten können und die diesen Weg nicht scheuen, werden oft nur noch über die Eizellenspende zu Müttern. Wir aber schieben unseren Kinderwunsch auf die lange Bank, in dem Glauben, eine Schwangerschaft sei auch später noch problemlos möglich.

Natürlich wollte auch ich einmal Kinder haben. Doch leider gab es in meinen jungen Jahren nie einen passenden Mann, welcher sich ernsthaft eine Familie mit mir vorstellen wollte.

Mit Anfang 30 lebte ich einige Jahre weit weg von daheim – ich war meinem damaligen Freund in seine Heimat gefolgt. Mir bedeutete dieser Mensch damals alles, doch er hat es wohl nie so ernst gemeint mit dieser Beziehung. Genau zur Zeit meiner großen Beziehungskrise überraschte mich die Nachricht von der Schwangerschaft meiner besten Freundin. Bald war eine riesige Hochzeit geplant, und auch Taufpatin sollte ich werden für ihre kleine Lena. In Jugendtagen hatten wir einander hoch und heilig geschworen, jeweils die Taufpatin des ersten Kindes der anderen zu sein. Doch ich konnte mein Versprechen nicht einhalten. Gerade machte ich eine extrem schwierige Zeit durch. Ich litt sehr unter der Trennung von meinem damaligen Lebensgefährten, mein Leben lag in Trümmern. Es tat zu weh, der Gedanke, zusehen zu müssen, wie andere mit all dem beschenkt wurden, was mir gerade genommen worden war. Auch die Hoffnung auf ein Happy End, einmal eine Familie zu haben mit mindestens zwei Kindern, mit dem Mann, den ich liebte.

Meine Freundin konnte das alles nicht verstehen, empfand mein Fernbleiben als Affront gegen sie und ihr Kind. Unser Kontakt riss für eine längere Zeit ab. Ich bin sehr froh, dass wir heute wieder miteinander reden und sie mir soweit verziehen hat. Lange standen die Kinder bei ihr krass im Mittelpunkt, und ich kam mir in diesem Konstrukt „Familie“ wie eine Außenseiterin vor. Mittlerweile sind ihre Töchter aber schon recht groß, und ohne Babys im Schlepptau hat sie jetzt auch wieder ein freieres Leben. Inzwischen verbindet uns wieder eine enge Vertrautheit, die fast so ist wie früher, als wir noch zusammen um die Häuser zogen und gemeinsam mit dem Zug durch halb Europa getrampt sind. Auch wenn sich unsere Leben heute sehr voneinander unterscheiden.

Es verging ein Jahr ums andere, und noch immer sah ich kein Land in Sachen Beziehung und Familie. Ich hatte durchaus ein reges Sozialleben und viele Freunde, doch mein Liebesleben glich einer Ödnis, einer Wüste, und manch vielversprechende Oase entpuppte sich am Ende doch wieder als Fata Morgana.

Einer Single-Frau jenseits der 40 bleiben nicht mehr viele Optionen, wenn sie zumindest noch ein Kind haben möchte. Ich durchforstete das Internet nach Infos und Plattformen über das sogenannte „Co-Parenting“ - einer Möglichkeit für alleinstehende Frauen und Männer, sich ohne romantische Absichten rein für eine Elternschaft zusammenzutun. Unorthodox? Ja, das mag sein. Doch nach so vielen Enttäuschungen hatte ich meinen Traum, noch den richtigen Partner zu finden, inzwischen abgehakt. Ich gehörte auch nicht zu jenen Frauen, die einfach mit dem nächstbesten Mann schliefen um „es darauf ankommen zu lassen“.

Es gibt da ein schönes Zitat, das besagt: „Leben ist das was passiert, während du eifrig dabei bist andere Pläne zu schmieden“ (John Lennon). Und nun geschah es in dieser Zeit, dass ich auf einer Geburtstagsfeier bei Freunden völlig unverhofft den Mann meines Lebens traf. Endlich, nach so langer Zeit, war sie da, meine große Liebe, zweiundvierzig Jahre hatte es gebraucht. Im Grunde stimmte alles zwischen uns beiden, nur beim Thema Nachwuchs reagierte mein Freund zurückhaltend. Er wollte unbedingt noch ein Jahr warten und verhüten, und erst später über Kinder reden. Ich war ziemlich geknickt, denn hatte ich überhaupt noch die Zeit, ein weiteres Jahr zu warten? Auch die Pille wollte ich mir nicht mehr antun. Wir einigten uns schließlich auf eine natürliche Verhütung nach der Kalendermethode. Das war mir so am angenehmsten, auch deshalb, weil diese Verhütungsmethode keine absolute Sicherheit bot. Man öffnete nicht Tür und Tor, aber es wurde auch nicht komplett alles dichtgemacht. Nein, ich habe meinen Freund nicht absichtlich hinters Licht geführt. Als nach drei Monaten die Periode ausblieb, war auch ich erst mal geplättet.

Der positive Schwangerschaftstest löste bei meinem Schatz keine Freudensprünge aus. Es reagierte völlig irritiert, sagte, er müsse einmal raus, eine Runde spazieren gehen und über alles nachdenken. Ich blieb allein daheim zurück und fühlte mich wahnsinnig in Stich gelassen. Gerade jetzt hätte ich eine Schulter gebraucht, zwei starke Arme, die mich auffingen und mir Halt gaben. Der Streifen in meiner Hand zeigte zwei rote Linien an, doch soeben hatte ich auch etwas Blut auf dem Toilettenpapier bemerkt. Was damals in mir vorging, lässt sich nur schwer mit Worten erfassen. Dieses Begreifen, da ist etwas Großartiges, Wundervolles passiert. Und gleichzeitig diese Angst, die zupackt, wo du zitterst und innerlich erstarrst, aus Furcht, auch nur einen einzigen Schritt zu tun. Wo du dich fürchtest auf die Toilette zu gehen, und du es dennoch tust, weil du hoffst, dass dieser fürchterliche Spuk ein Ende hat. Später, als mein Freund von seinem Spaziergang zurückkehrte, nahm er mich ganz liebevoll in den Arm und sagte, „das wäre schon OK“. Wir würden das gemeinsam schaffen. Wir beide und das Kind.

Ja, es hätte alles gut werden können. Doch diese verdammten Blutungen nahmen kein Ende, und auch die Ärzte im Krankenhaus konnten sie nicht stoppen. „So etwas komme schon mal vor“, versuchten sie mich zu beruhigen. Es müsse nicht immer das Schlimmste bedeuten. Aber ich hatte kein Glück. Mein Traum endete nur wenige Tage nachdem ich von meiner Schwangerschaft erfuhr.

Die stumme Verzweiflung danach riss einen tiefen Abgrund zwischen uns auf. Wir versuchten uns abzulenken, wieder auf andere Gedanken zu kommen. Wir gönnten uns Erholung in der Therme, gingen viel in der Natur spazieren, suchten auch die körperliche Nähe zueinander, - doch wir vermieden es darüber zu sprechen, über das, was geschehen war. Es stand dieses unfassbar Unsagbare zwischen uns im Raum. Wie ein unsichtbares, klaffendes Loch. Der Schmerz war irgendwie nicht greifbar, aber immer präsent. Ein Gefühl des Misstrauens schlich sich bei mir ein. Kam ihm die Fehlgeburt einerseits sogar recht? Weil er zunächst einmal nur ein Leben in Zweisamkeit wünschte? Oder – war sein „Aufschub“ nur ein Vorwand gewesen, und er wollte eigentlich gar kein Kind? Nicht jetzt und auch nicht später? Ich wagte es nicht, ihn darauf anzusprechen. Ich hatte diese Angst, dass unsere an sich so harmonische Beziehung wie ein weiteres Fantasiegebilde in sich zusammenfallen könnte. Heute weiß ich, dass auch er auf seine Art getrauert hat, aber, im Unterschied zu mir, versucht hat, die Dinge „wegzurationalisieren“. Einmal hat es mich sehr verletzt als er sagte: „ es war ja noch gar nicht wirklich etwas da“. In der kleinen Fruchthülle hatte sich kein Embryo gebildet. Er könne noch wachsen, ich solle in ein paar Tagen wiederkommen…. meinten damals die Ärzte. Nur dieses eine Mal durfte ich einen Blick auf mein winziges Bündel Hoffnung werfen, einen runden schwarzen Fleck auf dem flackernden Monitor. Auch wenn es seltsam klingt, aber ich bin dankbar dafür, dass ich zumindest das erleben durfte.

Über ein Jahr lang habe ich still und verhalten getrauert, und in einsamen Momenten bitterlich geweint. Trost und Ansprache fand ich hauptsächlich nur im Internet. Wer nach einer Fehlgeburt eine Schicksalsgemeinschaft sucht, wird hier auf einigen Plattformen fündig.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass es recht zügig wieder klappen könnte mit einer neuen Schwangerschaft. Schließlich war es das erste Mal so rasch passiert. Leider war mein Freund erst nach einem Jahr wieder bereit für einen neuen Versuch. Doch es vergingen dann mehrere Monate, ich wurde einfach nicht mehr schwanger. Bei Frauen über 40 dauert es eben länger, sagte mein Frauenarzt.

Hätte ich geahnt, dass es Schwierigkeiten gab, wäre ich wohl schon viel früher in eine Kinderwunsch- Klinik gegangen. Mit Anfang 40 kann man sich mit etwas Glück noch Unterstützung erhoffen. Aber klüger ist man meist erst hinterher. Damals, nach dem Abort, ließ ich mir immerhin die Schilddrüse untersuchen, da es in meiner Jugend schon mal Probleme damit gab. Es stellte sich heraus, dass ich an einer latenten Unterfunktion litt. Medikamente wurden mir aber nicht verschrieben, obwohl ich die Ärzte über meine Fehlgeburt und den Kinderwunsch in Kenntnis gesetzt hatte. Es lag, laut Befund, alles noch „im Referenzbereich“. Dass diese Werte für einen Menschen ohne Kinderwunsch noch grenzwertig OK waren, jedoch viel zu schlecht für eine Schwangerschaft, das erfuhr ich erst später über den Austausch mit anderen Betroffenen im Internet. Die Wahrheit ist, viele Endokrinologen und auch Gynäkologen kennen sich mit Schilddrüsenwerten bei Kinderwunsch zu wenig aus.

(Zur Info: der TSH Wert sollte bei Kinderwunsch idealerweise bei 1 liegen, ein Wert höher als 2 ist kritisch.)

Im Laufe eines Jahres nahm ich um fast zwei Kleidergrößen zu und ich fühlte mich ständig angeschlagen und müde. Ich schob es anfangs auf die stressige Situation in meinem Job. Erst dann sahen die Ärzte die Veranlassung für weitere Untersuchungen, und eine umfassende Blutanalyse brachte es schließlich ans Licht: ich hatte „Morbus Hashimoto“- eine Autoimmunerkrankung, welche das Gewebe der Schilddrüsenlappen zerstört. Ich muss nun täglich und wohl für den Rest meines Lebens meine Ersatz- Schilddrüsenhormone einnehmen.

Nun war ich mit den Tabletten vernünftig eingestellt, ich erhielt auch regelmäßige Akupunkturen bei einer Ärztin, die mit der Traditionellen Chinesischen Medizin vertraut war. Sie verschrieb mir Kräutergranulate und Tees, welche die Fruchtbarkeit steigern. Doch ich hoffte weiter vergebens auf mein „kleines Wunder“. War ich mit meinen 45 Jahren nun doch schon zu alt? Niemand kann sagen, ob es mit einer Schwangerschaft noch gekappt hätte, wäre meine Krankheit früher erkannt und behandelt worden. Doch ich hätte zumindest diese wenige Zeit, die mir noch blieb, nutzen können um professionelle Hilfe zu suchen.

Ich hatte viel recherchiert und gelesen, dass bei manchen Patientinnen mit Autoimmunerkrankungen das ganze Immunsystem entgleisen kann, die natürlichen Schutzmechanismen nicht mehr richtig funktionieren und die befruchtete Eizelle dann fälschlicherweise als „Feind“ erkannt und zerstört wird. Ich hatte aufgrund meiner Krankheitsgeschichte so einen Verdacht. So suchte ich einen Spezialisten auf, in der Hoffnung, er könne mir hier weiterhelfen. Der Immunologe meinte, das Ganze sei eher ein Fall für die Kinderwunschklinik. Mir war recht unwohl bei dem Gedanken, als Mittvierzigerin noch in der Reproduktionsmedizin vorstellig zu werden – würde ich mich in diesem Alter nicht der Lächerlichkeit preisgeben? Der Facharzt wischte meine Bedenken vom Tisch: „Meine Frau hat ihr letztes Kind auch noch mit 45 bekommen“.

Im Warteraum der Kinderwunschklinik tummelten sich ausschließlich Paare. Niemand dort beachtete mich, denn mein Alter sieht man mir nicht wirklich an. Aber ich war als einzige alleine da – meinem Mann hatte ich nichts von diesem Termin erzählt. Ein Kind hätte er zwar willkommen geheißen, aber auf natürliche Weise gezeugt. Künstlich nachhelfen lassen wollte er da nicht. Auch ich hatte nicht vor, mich sticheln und mir diverse Hormon-Cocktails verabreichen zu lassen. Oder gar fremde Eizellen eingesetzt zu bekommen (diese Option war für mich persönlich kein Thema) – aber eine etwas breiter gefächerte Ursachenforschung wünschte ich mir. Es gibt im Falle eines überaktiven Immunsystems auch die Möglichkeit einer Behandlung mit Immunsuppressiva.

Nach einem sehr kurzen Einführungsgespräch überreichte mir der Arzt eine Art Grafik, welche das rasche Absinken der Fruchtbarkeitskurve der Frau ab 40 anzeigt. Mit Mühe verkniff ich mir eine zynische Bemerkung. Darüber war ich im Bilde, so etwas muss man einer Frau in meinen Jahren nicht extra erklären und unter die Nase halten. Ich war gekommen um herauszufinden, ob noch andere Faktoren Schuld sein könnten an meiner sekundären Unfruchtbarkeit. Nachdem ich doch einmal sehr rasch und völlig problemlos schwanger geworden war, und das mit 43! Wie ließ es sich erklären, dass es jetzt, nur ein, zwei Jahre später, gar nicht mehr klappte? Leider gibt es laut Ärzten immer nur EINEN Grund, wenn es in diesen Jahren mit einer Schwangerschaft nicht mehr klappt: die alternden Eizellen. Ich jedoch glaube, dass dies nur die halbe Wahrheit ist. Hat eine Frau noch andere Baustellen im Körper, dann ist nicht immer einzig und allein das Alter Schuld. Den Zusammenhang meiner Erkrankung mit der Unfruchtbarkeit zog der Arzt nicht mal ansatzweise in Betracht. Das hätte hier keinerlei Relevanz…. Einfach unglaublich…! Dabei gibt es Fachärzte, die sich auf immunologische Sterilität spezialisiert haben. Leider sind es nur ganz wenige, und in meiner Nähe gab es da niemanden an den ich mich wenden konnte.

Es wurde lediglich ein Ultraschall und ein Hormonstatus gemacht, was bestätigte, dass soweit gesehen alles in Ordnung war, ich auch noch Eizellen produzierte, aber die Hormontätigkeit schon allmählich nachließe. Mir wurde der Rat gegeben, es auf natürliche Weise weiter zu probieren, eine Alternative gäbe es für mich nicht – es sei denn, ich wolle mich um Spender-Eizellen im Ausland bemühen. Das war’s dann, alles Gute und auf Wiedersehen. Man hat mich eiskalt abserviert, weil ich eine unbequeme ältere Patientin war, von welcher sie sich keine hohe Erfolgsquote erhofften. Doch was kann man auch erwarten? Von einem System, für dieses in erster Linie nicht der Mensch zählt, sondern rein die Statistik?

Eine Zeitlang habe ich noch probiert, mit diversen Nahrungsergänzungsmitteln den „müden Eizellen“ etwas auf die Sprünge zu helfen. Es fiel mir einfach schwer, die Dinge loszulassen, zu akzeptieren, dass der Zug für mich abgefahren war.

Wäre es einfacher für mich gewesen, hätte ich die Ursache gekannt? Kann man sich leichter mit der Kinderlosigkeit abfinden, im Wissen, alles versucht zu haben was im Rahmen einer Diagnose möglich war? Ich denke, vermutlich ja. Ich hätte gerne die WAHL gehabt selbst zu entscheiden – will ich mich auf eine Behandlung einlassen, oder nicht? Gibt es noch die klitzekleine Aussicht auf Erfolg wenn man weiß, wo man ansetzen muss? All diese ungeklärten Fragen beschäftigen mich noch heute. Ich muss wohl lernen zu akzeptieren, dass das Leben einem manche Antwort auf immer schuldig bleibt.

*Die Namen wurden geändert.


Liebe Luisa, vielen Dank, dass ich deine Geschichte hier veröffentlichen darf! Ich freue mich schon auf den zweiten Teil morgen mit dem Titel “Mein neues Leben” :-).

Foto: Elaine

Elaine

lebt in der Schweiz. Sie liebt die Natur, besonders im Frühling. Sie mag Spaziergänge, Wanderungen, die Berge, das Meer, Bücher, Kunst, Flohmärkte, Brockenhäuser.

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