Elaine ohne Kind

Über den Abschied vom Kinderwunsch und das Leben danach

Sonntag

12

Mai 2024

Mütter im Herzen

von Elaine, über Muttertag, Ungewollte Kinderlosigkeit, Abschied vom Kinderwunsch, Gesellschaft

Die Sonne lacht.
Die Vögel zwitschern.
Die Pfingstrosen im Garten blühen.
Und der Muttertag ist wieder da.

Anfang März war der Tag der Frau. Den mag ich lieber, obwohl er nur halb so bekannt ist. Auf jeden Fall scheint er mir deutlich inklusiver. Eigentlich sollte es mit den gesellschaftlichen und kommerziellen Traditionen genau anders herum sein! Oder nicht?

Wie geht es Euch mit dem Muttertag?
Macht er Euch traurig? Oder wütend? Oder war dieser Tag für Euch noch nie gross ein Thema?
Für mich war er zu Beginn äusserst schwierig. Mit der Zeit wurde das besser. Zum Glück!

Der Tag ist natürlich kein unbeschriebenes Blatt. Ich bin am Muttertag verletzlicher als an anderen Tagen. Vermutlich hängt das von vielen verschiedenen Faktoren ab. Wo stehe ich im Zyklus? Und wie ist mein Leben sonst gerade so? Wenn alles gut läuft, ist auch der Muttertag leichter zu ertragen. In “struppigen” Phasen hingegen kann sich an diesem einen Sonntag auch wieder mehr verhaken.

Am Donnerstag (bei uns ein Feiertag) war ich mit einer Freundin wandern, währenddem mein Mann arbeitete. Erstaunt nahm ich zur Kenntnis, dass ihr der Muttertag überhaupt nichts bedeutet. Sie plant in der Regel auch nichts Besonderes. Weder für die eigene Mutter noch für die Schwiegermutter. Ich gehe davon aus, dass ihre Kinder in der Schule kleine Geschenke basteln oder etwas in der Art. Dennoch war es für mich entspannend zu hören, dass sie darauf gar nicht unbedingt Wert legt!

Ich mache mir im Gegensatz dazu manchmal fast einen Stress, dass ich für meine Mutter irgendetwas tun müsste. Das Minimum ist für mich eine Karte per Post. Meist war es ein Besuch, ein Brunch, ein selbst gekochtes Essen, ein Geschenk, Blumen etc. Aber ehrlich gesagt weiss ich, nachdem mir dieses Jahr meine Mutter nur ein SMS zum Geburtstag geschickt hatte, auch nicht mehr, ob ich dieses Pflichtbewusstsein aufrecht erhalten soll. Meine Geschwister bekommen von meinen Eltern sehr viel Unterstützung, Betreuung, Mahlzeiten, Geschenke und Liebe via die Enkelkinder. Sie hätten demzufolge auch mehr Grund, ihre Dankbarkeit gegenüber meiner Mutter auszudrücken! Ja, meine Mutter hat mich geboren und grossgezogen. Sie hat dafür in jüngeren Jahren auch viel Dankbarkeit meinerseits bekommen. Aber meinem erwachsenen Ich, das keine Kinder haben konnte, ist sie oft nicht gerecht geworden. Im Gegenteil: in ein paar Fettnäpfchen ist sie ganz tief hineingeraten! Und das hat über die Jahre seine Spuren hinterlassen.

Ich habe mir überlegt, dass wir, jedenfalls die meisten, die hier mitlesen, uns ja nicht bewusst dafür entschieden haben, keine Mütter zu werden. Wir alle hätten uns Kinder von Herzen gewünscht und waren oder sind tief traurig darüber, dass uns dies verwehrt bleibt. Manche von uns sind auch Sternenmütter. Wir bekommen keine selbstgepflückten Blümchen auf dem Frühstückstisch oder Basteleien. Aber dieses Jahr ist das erste, in dem ich mir sage, dass ich sehr wohl Mutter bin. Nicht von lebenden Kindern. Aber Mutter im Herzen.

Als ich am Freitag im Garten war, sah ich, dass die Pfingstrosen tief hinunterhingen. Damit der Schwager den Rasen mähen konnte, stellte ich mir aus den untersten Zweigen einen kleinen Strauss zusammen. Muttertagsblumen. Meine ersten, seitdem ich den Kinderwunschweg betreten habe.

Gerne höre ich von Euch, wie Ihr mit diesem Tag umgeht. Falls er Euch Mühe macht, so sollt Ihr wissen, dass Ihr damit nicht allein seid. Der Muttertag ist der Tag im Jahr, an dem dieser Blog am häufigsten besucht wird. Wir sind viele, auch wenn es sich nicht immer so anfühlt!

Ältere Blogbeiträge zu diesem Thema findet Ihr hier. Vor allem dieses Interview kann ich Euch empfehlen. Es berührt mich noch heute, wenn ich es lese.
Tragt Euch Sorge, Ihr Lieben!
Ihr seid wertvoll, besonders und wunderbar.
Jede einzelne von Euch <3.

Foto: Elaine

Elaine

lebt in der Schweiz. Sie liebt die Natur, besonders im Frühling. Sie mag Spaziergänge, Wanderungen, die Berge, das Meer, Bücher, Kunst, Flohmärkte, Brockenhäuser.

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