Elaine ohne Kind

Über den Abschied vom Kinderwunsch und das Leben danach

Dienstag

18

Juni 2019

Was war und ist

von Elaine, über Ungewollte Kinderlosigkeit, Gesellschaft, Leben, Bloggen

Hallo Ihr Lieben!

Wie geht es Euch so? Wo steht Ihr gerade? Und was beschäftigt Euch?

Bei mir war der Frühling… anstrengend. Auf Arbeit fehlte es uns nämlich an Personal. Diese Zeit haben wir dank etwas mehr Einsatz von uns allen recht gut überstanden. Dann galt es eine neue Kollegin einzuarbeiten. Sie lernte zum Glück schnell, aber puh, war das intensiv! Auf Frühlingsferien musste ich umständehalber verzichten, was sich irgendwann leider gesundheitlich bemerkbar gemacht hat…

Vierzig bin ich auch noch geworden. Was überhaupt nicht tragisch, sondern irgendwie sehr schön war. Von wegen Midlife Crisis und so. Ich vermute mal, dass ich das mit der Krise schon im Abschied vom Kinderwunsch erledigt habe. Da habe ich mir all die grossen Fragen gestellt wie zum Beispiel diejenige nach dem Sinn. Klar kann man immer mal wieder innehalten und sich fragen, ob das Leben so ist, wie man es möchte oder ob man etwas ändern will. Aber das sind dann eher kleinere Anpassungen ;-).

Den runden Geburtstag habe ich ganz unkonventionell gefeiert. Es gab keine grosse Party. Zuerst zerbrach ich mir den Kopf darüber, wie ich allen gerecht werden konnte: denen, die weiter weg wohnen und denen, die Kinder haben… Aber das wäre dann IHR Ding geworden, nicht meines. Mein Mann machte mir Mut, etwas ganz anderes aufzuziehen. Ich bin ja eh kein Fan von allzu grossen Menschenansammlungen ;-). Also habe ich ein paar Sachen unternommen, die ich spannend finde, und einige Leute dazu eingeladen. Das war am Ende auch stimmig. Es tat übrigens überraschend gut, mal wieder ganz viele Karten geschickt zu bekommen. In unserem Flur hängt jetzt eine richtige Galerie. Vielleicht hatte das eine besondere Bedeutung, weil sich mein Leben so lange ereignislos angefühlt hatte und ich damals leer ausgegangen war, während alle anderen Glückwunschkarten und Geschenke zu den Geburten ihrer Kinder erhielten?

Nach einem gesunden Winter bin ich dann im Mai doch noch krank geworden. Pfff… Und ich hatte einen akuten Anfall von Blogmüdigkeit. Der Muttertagspost war arbeitsintensiv gewesen, und ich merkte, dass ich nicht mehr so viel Zeit und Aufmerksamkeit in ein Thema investieren mag, das mich immer weniger beschäftigt. Daher war es in den letzten Wochen hier etwas ruhiger.

Ich erfreute mich aber auch an den ersten Schweizer Erdbeeren und am Blumenmeer im Garten. Trank frischen Zitronenmelissentee, sah aus dem Küchenfenster mit eigenen Augen das Mäuschen, das meinen Fenchel zum Verschwinden gebracht hatte und fing einmal fast an zu weinen, weil diese grüne und blumige Oase hinter unserem Haus für mich ein so grosses Glück ist.

Das Leben ist und bleibt für mich intensiv. Schön. Anstrengend. Herausfordernd. Ich komme manchmal an meine Grenzen. Aber auf eine andere Art als in den letzten Jahren. Ja, ich mache mir schon hin und wieder meine Gedanken darüber, was jetzt anders ist, als ich es mir vorgestellt hatte. Nur braucht es dafür inzwischen Auslöser der besonderen Art.

Letzthin erfuhr ich, dass “mein” Baby, das ich damals als Au-pair-Mädchen in Kanada versorgt hatte, schon im Alter von 18 Jahren bei einem Autounfall verstorben ist. Ich kramte alte Fotos hervor und überlegte hin und her, ob ich der Familie einen Brief schreiben sollte. Weil es mich doch auch sehr bewegte. Ich realisierte, dass ich in meinem Leben zumindest zum Teil schon mal die Möglichkeit gehabt hatte, meine mütterliche Seite auf die ganz klassische Weise auszuleben. Das macht mich im Nachhinein dankbar. Und doch war da auch eine Schwelle. Meine damalige Gastfamilie ist äusserst kinderreich. Alles dreht sich dort um Familie, Kinder und Enkelkinder. Was der Grund dafür ist, dass ich von meiner Seite her in den letzten Jahren keine besonderen Anstrengungen unternommen hatte, mit ihnen im Kontakt zu bleiben. Werden sie je verstehen, was ich durchgemacht habe? Selbst jetzt, wo ich weiss, dass sie sicherlich in Trauer sind, immer noch, auch nach zwei Jahren, ist es etwas anderes. Am Ende schrieb ich ihnen eine Karte, ging aber vor allem auf ihre Situation ein und erzählte nicht sehr viel über mich. Ich glaube, das war so am passendsten.

Ansonsten gab es keine besonderen Anstupser zu diesem Thema. Was auch in Ordnung ist, finde ich. Jetzt ist der Sommer da und ich habe vor, es in den nächsten Wochen etwas ruhiger anzugehen.

Etwas möchte ich noch ankündigen, bevor manche in die grosse Sommerpause entschwinden, und zwar die Welt-Kinderlosenwoche vom 16.-22. September. Ich habe nicht vor, dazu selber eine grosse Sache aufzuziehen, aber hätte jemand von Euch vielleicht Lust, aus diesem Anlass seine Geschichte zu erzählen, die ich dann veröffentlichen könnte? Das geht auch unter einem Pseudonym, wenn Ihr möchtet? Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie hilfreich es ist, von anderen zu lesen, die einen ähnlichen Weg gehen, und von mir selbst habe ich ja nun doch schon sehr viel berichtet ;-)…

Was meint Ihr?
Wie war eigentlich Euer Frühling?
Und was plant Ihr für den Sommer?

Foto: Elaine

Elaine

lebt in der Schweiz. Sie liebt die Natur, besonders im Frühling. Sie mag Spaziergänge, Wanderungen, die Berge, das Meer, Bücher, Kunst, Flohmärkte, Brockenhäuser.

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