Elaine ohne Kind

Über den Abschied vom Kinderwunsch und das Leben danach

Montag

8

Februar 2021

Wintergrüsse

von Elaine, über Leben, Ungewollte Kinderlosigkeit, Musik

Das Leben ist ruhig. Die Tage werden zum Glück bereits spürbar länger. Ich kann im letzten Tageslicht oder gar in der Abendröte nach Hause radeln, sofern es nicht zu kalt dafür ist. Und sofern es nicht gerade geschneit hat. Dieses Jahr erleben wir seit langem wieder mal einen “richtigen” Winter!

Diesen Januar hatte ich etwas zu kämpfen. Seit dem Lockdown im Frühling bin ich grundsätzlich sparsam in meinem Nachrichtenkonsum, weil ich weiss, dass dieser meine Psyche belasten kann. Aber auch ohne all die negativen Schlagzeilen forderte mich der Alltag heraus. Das Ganze macht ja etwas mit uns allen. Manche werden depressiv, andere gereizt; zum Teil liegen die Agressionen dicht unter der Oberfläche. Der Arbeitsweg wird so bei schlechten Strassenverhältnissen fast zu einem Spiessrutenlauf nur schon aufgrund der Menschen, die man in Zug und Bus antrifft. Mit all dem umzugehen, ist anstrengend. Jill und Phoenix schreiben, dass sie sich in diesem Januar wie “verkatert” fühlten. Mir ging es ähnlich. Aber dann gab es auch wieder gute Tage. Tage, an denen ich etwas geschafft kriegte und Zufriedenheit verspürte. Kleine Dinge machen einen grossen Unterschied. Damit meine ich besonders die Tools aus der Werkzeugkiste der Selbstfürsorge. Die helfen wirklich! Und sind jetzt besonders nötig.

Zu unserem 12. Hochzeitstag fuhren mein Mann und ich mit dem Auto in die Berge ganz in unserer Nähe und machten dort einen Spaziergang. Weil es gut tut, am Hochzeitstag etwas Besonderes zu unternehmen. Vor allem jetzt, wo wir so viel Zeit zu Hause verbringen. Wir füllten Tee in Thermosflaschen und strichen uns leckere Sandwiches. Beim Frühstück redeten wir kurz darüber, wie anders alles wäre, wenn wir Kinder hätten. Unsere Wunschkinder wären inzwischen 7 und 9 Jahre alt. Wir sind aber heute nicht mehr traurig, wenn wir darüber sprechen. Es ist, wie es ist. Am Abend holten wir dann Take-away beim Chinesen im Ort und genossen auch das.

An meiner Arbeitsstelle brechen die letzten Wochen vor dem Sabbatical an. Durch den Shutdown könnte ich ruhiger meine Aufgaben nicht an meine Kollegin abgeben. Meine Institution ist nach aussen hin geschlossen. Ich habe Zeit aufzuräumen, Dateien zu löschen, ihr die allerletzten Dinge zu zeigen, die sie noch nicht weiss. Zum Glück gibt es niemand Neues einzuarbeiten. Das wäre wesentlich anstrengender.

Eine Dosis Kultur holte ich mir mit diesem Harfenstück. Meine Reisesehnsucht stillte ich ein bisschen mit diesen meditativen Landschaftsaufnahmen aus Schottland. Und etwas Literatur gönnte ich mir mit dem neusten Gedichtband von Rupi Kaur.

Und Ihr so?

Foto: Elaine

Elaine

lebt in der Schweiz. Sie liebt die Natur, besonders im Frühling. Sie mag Spaziergänge, Wanderungen, die Berge, das Meer, Bücher, Kunst, Flohmärkte, Brockenhäuser.

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