Elaine ohne Kind

Über den Abschied vom Kinderwunsch und das Leben danach

Montag

31

August 2020

Eure Fragen

von Elaine, über Ungewollte Kinderlosigkeit, Abschied vom Kinderwunsch

Ihr Lieben,

vor wenigen Tagen noch war es sommerlich heiss, und nun ist das Wetter gekippt. Das Licht ist anders, die ersten getrockneten Blätter liegen am Boden; abends braucht man ein Jäckchen. Und da es jetzt am Wochenende so richtig regnete und kühl wurde, kochte ich die allererste Kürbissuppe der Saison. Mmmhm… ich mag den Wechsel der Jahreszeiten und auch dieses Dazwischen - es ist noch nicht Herbst, aber auch nicht mehr richtig Sommer!

Wie versprochen kommt hier der Beitrag mit Euren gesammelten Leserfragen. Dort, wo ich konnte, habe ich bereits eine erste Antwort gegeben, aber ich weiss nicht alles :-)! Daher fände ich es toll, wenn wir hier unsere Schwarmintelligenz nutzen könnten.

Vielleicht habt Ihr eine andere Meinung zu oder mehr Erfahrung mit manchen Themen?

Los geht’s:

Die monatliche Erinnerung

Frage: Was kann ich tun, um nicht jeden Monat von neuem vom Schmerz der einsetzenden Mens gebeutelt zu werden?

Diese Frage ist im Grunde eine doppelte. Denn einerseits ist für viele die Mens mit physischen Schmerzen verbunden - bei mir zum Beispiel sehr stark. Andererseits steckt aber auch ein seelischer Schmerz dahinter. Jeden Monat erinnert unser Körper uns an das, was wir nicht haben können. Mir erschien das besonders sinnlos und irgendwie auch zynisch. Denn früher hatte ich zumindest noch gehofft, dass dieser Schmerz einen Sinn haben würde, d.h. dass ich wenigstens mal Kinder kriege und er nicht “für nichts” ist. Damit hatte ich nach dem Ende der Behandlungszeit eine Weile lang sehr zu kämpfen.

Was kann man also tun, wenn sich die Regel ankündigt?

Da bei mir die starken Schmerzen auf eine chronische Erkrankung zurückzuführen sind, nehme ich inzwischen Hormone, die meinen Zyklus ganz unterdrücken. Dadurch sollte die Erkrankung zumindest nicht schlimmer werden. Ich habe also seit zwei Jahren Ruhe. Allerdings erinnere ich mich sehr gut daran, wie sich die Mens bei mir jeweils anfühlte, und das nicht nur körperlich.

Meine Strategien waren:

Schmerzmittel für den physischen Schmerz. Ich achtete an diesen Tagen auf locker sitzende Kleidung. Wenn ich daheim war, füllte ich in der kühleren Jahreszeit eine Bettflasche mit heissem Wasser. Wenn es sich irgendwie einrichten liess, verbrachte ich ein paar Stunden auf dem Sofa. Weil Liegen oft die einzige erträgliche Position war. Ich vertiefte mich in ein gutes Buch. Oder einen spannenden Film. Ich gönnte mir meist an diesen Tagen etwas Ablenkung. Wenn ich arbeiten musste, tröstete mich der Gedanke, dass alles vorbei geht. Irgendwie überstand ich diese Tage immer, auch wenn es nicht lustig war. Im allerschlimmsten Fall war ich auch mal krank und ging nicht zur Arbeit. Auf der seelischen Ebene versuchte ich, liebevoll zu mir selbst zu sein. Dazu gehörte auch, mir bewusst zu machen, dass das emotionale Tief zu einem Teil den hormonellen Schwankungen geschuldet war und die Welt in ein paar Tagen wieder besser aussehen würde.

Wie geht Ihr damit um?

Übrigens bezeichnete eine ältere Frau mir gegenüber die Regel letzthin mal als “monatliche Entschlackung”. Sie meinte, mit dem Ende der Entschlackung ginge eine Verbreiterung der Figur einher… Auf diese (positive) Weise hatte ich die Regel zuvor noch nicht betrachtet!

Rituale und Traditionen

Frage: Wie kann man für sich als Paar eigene Rituale/Traditionen entwickeln und welche sind diese? Mir fehlt hier derzeit noch die Vorstellungskraft, wie z.B. Weihnachten, Ostern etc. aussehen können oder wie man den Alltag noch bewusster als Paar gestalten kann.

Dies hat bei meinem Mann und mir einige Jahre gedauert. Vermutlich etwa so lange, bis ich wieder in der Lage war, mein Leben aktiver zu gestalten. In Teilen tat ich dies von Beginn weg, aber gerade die Feiertage plante ich nicht sehr proaktiv. Ich glaube, mir fehlte dafür einfach die Energie.

Ostern war für mich nie ein Problem, weil ich in meiner Ursprungsfamilie damit keine starken Traditionen verband. Weihnachten empfand ich als viel schwieriger. Anfangs war es sehr wichtig, dazuzugehören, das heisst, meine Familie zu sehen, auch wenn es schmerzhaft war, weil eben auch kleine Kinder Teil davon waren. Mit der Zeit wurde ich etwas unabhängiger. Mein schönstes Weihnachten erlebte ich letztes Jahr. Da war ich nach dem Pfeifferschen Drüsenfieber noch angeschlagen und musste mich schonen. Ich verzichtete auf die weite Fahrt zu meiner Familie. Bei der Schwiegerfamilie machte ich nach dem Abendessen ein Nickerchen. Die erste Mitternachtsmesse meines Lebens war wohl das Schönste, was ich je in dieser Jahreszeit erlebt habe. Gemeinsam Lieder zu singen und draussen vor der Kirche Kerzen anzuzünden, hatte etwas wunderbar Besinnliches.

Für mich gehört ein wenig Familie immer noch dazu. Aber vier Verwandtschaftsfeiern müssen es nicht sein! Weniger ist für mich mehr. Aber hier hat sicher jeder andere Vorstellungen :-). Wie ist das bei Euch? Und habt Ihr noch andere Traditionen oder Rituale als Paar?

Mein Mann und ich veranstalten jeden Frühling ein Frühstückspicknick am Fluss. Da radeln wir gemeinsam mit Picknickdecke und -korb hin und geniessen die Ruhe am Wasser. Wir taten dies bereits in der aktiven Kinderwunschzeit und haben damit auch danach nicht aufgehört.

Ich kenne ein Paar, das früher immer samstags gemeinsam auf den Markt ging und dann in einem Café frühstückte. Das finde ich auch ein sehr schönes Ritual!

Die Krönung der Liebe

Frage: Ein Bedürfnis hinter meinem Kinderwunsch ist, eine Verbindung aus uns beiden zu schaffen und zu erleben (“Sehnsucht nach sich selbst”). Hierfür finde ich tatsächlich kein anderes Äquivalent. Daher meine Frage: Habt Ihr so etwas gefunden?

Meine Antwort ist Nein. Die Sehnsucht nach dem kleinen Wesen, das die blauen Augen meines Mannes und die Sommersprossen meiner Mutter in sich vereint, bleibt unerfüllt. Andere Teilaspekte des Kinderwunsches (z.B. Sinn, eine Aufgabe haben, jemanden umsorgen) lassen sich vielleicht anderweitig abdecken, aber dieser nicht. Dieser Aspekt des Kinderwunsches muss nach meiner Erfahrung betrauert werden.

Die Sehnsucht nach dem Gemeinsamen im Sinne eines gemeinsamen Projekts könnte hingegen schon ein anderes Ziel finden, denke ich. Das ist aber nicht ganz dasselbe.

Wie ist Eure Meinung dazu?

Schwangerschaftsphobie

Frage: Gibt es in der Leserschaft Frauen, die aufgrund einer extremen Angst vor der Schwangerschaft (Stichwort: Schwangerschaftsphobie) kinderlos geblieben sind?

Hierzu kann ich leider aus eigener Erfahrung gar nichts sagen. Weiss jemand von Euch mehr?

Ich freue mich auf Eure Antworten und das Teilen Eurer Erfahrungen!

Herzlich,
Elaine

Foto: Elaine

Elaine

lebt in der Schweiz. Sie liebt die Natur, besonders im Frühling. Sie mag Spaziergänge, Wanderungen, die Berge, das Meer, Bücher, Kunst, Flohmärkte, Brockenhäuser.

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